2016-10-14 Angstkranen

Angst vor dem Kranen….

Wenn man ein Schiff hat gibt es einige Punkte die nicht zu den Lieblingsaufgaben gehören. Hier gehört sicherlich im Frühjahr und im Herbst das Kranen ins oder aus dem Wasser dazu. Es ist immer ein komisches ein Schiff „fliegen“ zu sehen. Denn immerhin sind Schiffe nicht für das Fliegen gebaut. Auch birgt das Kranen immer eine Gefahr.

Natürlich kann man die Verantwortung komplett abgeben und einer Werft seines Vertrauens die Sache in die Hand geben und sagen: „Macht Ihr mal“. Allerdings lassen diese Werften sich diese Dienstleistung auch sehr gut bezahlen. Wir wollen das nicht. Wir wollen so viel wie möglich selbst machen, das liegt in unserer Natur.

Ich bin zwar mit dem Wasser schon vor meiner Geburt verbunden, da war ich ja schon segeln. Über eine Granada 31 meiner Eltern fand ich im Kindesalter dann zum Opti. Danach kurz zum 420er und dann letztendlich zur Europe. Nun haben diese Boote den großen Unterschied das diese einfach mal so mit einem Trailer Einhand aus dem Wasser genommen werden können. Ein Kran wird nicht benötigt.

Da wir unser Schiff erst dieses Jahr erworben haben und das Kranen ins Wasser durch den Voreigner durch eine Werft durchgeführt wurde stehen wir also ohne Erfahrung da. Theoretisch gesehen weiß ich ja wie ein Mast gelegt wird, weiß ich wie man ein Schiff mit Gurten aus dem Wasser hebt….  Theoretisch!!! Also bekam ich schon etwas Angst, denn in Dänemark können wir solche Dinge komplett selbst erledigen. Ohne Werft ohne Hilfe. Doch Moment ich brauche Hilfe!!!!

Gut das wir in einem Segelverein sind, dem SYC. Also mal im internen Bereich der Webseite nachgefragt und auch gleich Hilfe zugesagt bekommen. Jetzt muss man „leider“ sagen das der Termin für die Hilfe auf ein recht frühes Datum fiel. Naja, es ist die erste Saison und die soll auch positiv Beendet werden.

Es kam also der Tag zum Kranen. Ich hatte mir extra Frei genommen und bin Donnerstag schon mal hochgefahren und habe die letzten Sache vorbereitet. Einmal schlafen noch… Angst!!

Es ist Freitag, um 9Uhr soll ich am Mastenkran liegen. Also schnell die Maschine angeworfen und etwas warmlaufen lassen. Super ist das Wetter. Es ist leicht kalt und es bläst teilweise mit bis zu 25ktn. Also beste Voraussetzungen für „das erste Mal.“

Um kurz vor 9Uhr liege ich also unter dem Mastenkran und warte auf meine unbekannte Hilfe. Und pünktlich kommt also Mathias R., der einzige im Club der den großen Kran für die Schiffe bis 7t heben darf! Perfekt, denn es ist nicht ganz sicher ob die Grenze von 5t mit Madita für das freie Kranen ausreicht. Wir vermuten ein Gewicht von ca 4.8t plus 250kg für das Stahlkreuz zum Heben könnte es eng werden. Mal schauen….

Mathias R. hat einen Bekannten zur weiteren Hilfe mitgebracht. Da ich alles soweit ich konnte vorbereitet habe, konnte der Mast in Rekordzeit gelegt werden. Mit mehreren erfahrenen Händen ist das echt ein Klacks. Ich bekam ständig Tipps wie was am besten gemacht wird. Mein Kopf platzte da schon fast an Infos. Aber es machte Spaß. Am meisten hat mich dann begeistert, dass mir unbekannte aus dem Verein einfach stehen bleiben und nicht nur zuschauen, sondern ungefragt (und das stört mich persönlich gar nicht!!) einfach mithelfen! So waren es ganz plötzlich vier Helfer die beim Mastlegen geholfen haben.

Der fünfte, Troels L. der Mann für das Mastenlager, hatte sich ebenfalls angekündigt um mir einen Platz im Lager zuzuweisen und mir zu erklären wie es im Mastenlager abläuft. Es ist einfach Herrlich wie unbekannten bedingungslos geholfen wird!

Also schnell zurück zu Madita und um einen Steg herum zum großen Kran. Es fährt sich sehr komisch auf einem Segelschiff ohne Mast. In meinen Augen sieht das echt komisch aus und passt so gar nicht. Ich bin froh, wenn im Frühjahr der Mast wieder auf seiner Position steht.

Kaum am Kran liegend wurde der Kran und die auch die Gurte vorbereitet. Kaum 15min später war der Kran auch schon über Madita positioniert. Zum Glück hat Madita auch sogenannte Kranmarken an der Bordwand, so kann man die Gurte perfekt positionieren.

Kaum waren die Kurte unter Madita durchgeführt konnte es beginnen. Madita sollte das fliegen lernen. Allerdings saßen die Gurte bei dem ersten Versuch nicht richtig und wir haben noch einmal richtig angesetzt. Dies Mal passte alles und Madita hing über dem Wasser.

Vor einigen Wochen hatten wir uns ja schon um einen Hafentrailer gekümmert. Allerdings war dieser natürlich noch nicht richtig eingestellt. Leider passt der Trailer nicht so ganz zu Madia. Grundlegend ist hier der Kiel das größte „Problem“. Wir haben zwar einen Kurzkiel allerdings ragt dieser relativ weit nach hinten. Bedeutet das die untere Bombe vom Kiel auf dem hinteren Querträger aufliegen würde. Somit haben wir Madita etwas weiter nach vorne auf den Trailer gestellt. Nicht ideal aber es geht.

Nach gefühlten 4 Stunden mit Diskussionen, Gefummel und Anpassungsarbeiten stand Madita dann alleine nach 60min auf den Trailer und die Gurte waren vom Kran. A pro Po Gurte, diese sind echt nicht mehr die beste Ausstattung und hinterlassen an der Bordwand hässliche Spuren. Ich habe daher entschieden das ich für die kommende Saison uns eigene Gurte kaufen werde. Ich habe mich schon eingehend informiert und habe ich mich für 5t Gurte entschieden. Bedeutet ein einzelner Gurt würde völlig ausreichen. Ich mag Reserven.

Auch ist mir aufgefallen das die Auflagepads vom Trailer nicht als ideal zu bezeichnen sind. Ich habe daher schon mal nach Alternativen gesucht und auch größere Pads aus weichem Material in fast 200%iger Größe zu einem überschaubaren Preis gefunden. Wird ein Projekt in der Saison 2017.

Abschließend kann ich nur sagen das ich mich recht herzlich bei allen Helfern nur bedanken kann. Meine Angst vor dem Kranen wurde genommen. UND, mir wurde sofort angeboten in der nächsten Saison wieder zu helfen.

 

Wir freuen uns auf das Kranen im Frühjahr 2017!!!!

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